Juni – »Zwischen Komfortgekrusche und Abenteuerlust« – Vom Wagemut am Tellerrand

Ach, am schönsten ist es doch, wo ich mich zu Hause fühle. Mitten drin in der vertrauten Komfortzone. Hier bin ich per Du mit jedem Baum, habe schon jeden Stein umgedreht, die Rituale des Alltäglichen und die Verlässlichkeit des immer Wiederkehrenden lassen mir Raum für entspanntes Sein und wohlig versunkenes Tun. Und das Beste: Ich kenne mich und meine Muster ganz genau. Keine Überraschungen, alles im Lot. So schön. Nur ab und an brummt es irgendwo an den Rändern des moosweichen Terrains irgendwie unwillig. Es fühlt sich ein klein wenig an wie Stillstand. Und dann kitzelt mich die Frage: Was liegt wohl jenseits meiner grünen Wiese?.

Ein Sinn findet sich immer

Och, muss ich das jetzt wirklich wissen? Muss ich wirklich raus hier, um meinen Horizont zu erweitern? Echt jetzt? Geht das nicht auch von zu Hause aus? Anders ist doch nicht immer zwingend sinnvoller. Oder? Na gut, dann schaue ich eben mal genauer hin. Was passiert hier gerade? Ich stelle fest: Das Vorwärtsstreben geht nicht mehr so leicht von der Hand – oder vom Fuß, wenn man so will. Und was hält mich zurück? Weiß nicht. Kann ich jetzt bitte liegenbleiben? Es lässt sich doch auch darin ein Sinn entdecken. Ist ja gut. Nochmal hinsehen. Die Dynamik ist futsch, die Zuversicht hat versucht sich unsichtbar zu machen und die Ärmel rutschen über die unmotiviert hängenden Unterarme. Klebt mir vielleicht wie Kaugummi die Bequemlichkeit unterm Hintern? Oder ist mir gar der Mut abhandengekommen? Nun, das ist zwar beides nicht so angenehm, aber bei weitem auch nicht das Schlimmste.

Grenzen brauchen Aufmerksamkeit

Bewegung und Mut und Grenzübertretung geht da gar nichts. Linsen wir also mal vorsichtig über den Tellerrand unseres Verhaltens hinaus, entdecken wir: Anderen geht es hin und wieder genauso. Woraus sich der Schluss ziehen lässt, dass es okay ist, wenn der Mut sich mal verkriecht, und also kein Grund besteht, den Kopf in den Sand zu stecken. Feststellen lässt sich nämlich auch: Die Abwesenheit von Mut ist nicht zwingend Unmut, sondern – ja, geben wir es offen zu, vielleicht ein klein wenig Bequemlichkeit. Oder Ängstlichkeit, aber die schützt immerhin ziemlich sicher vor Übermut – und der wiederum tut ja selten gut. Ja, schon, okay. Aber weiter jetzt! Nicht nur Komfortzonengekrusche macht also bewegungslos, sondern auch Mutlosigkeit quält und ist ein arger Bremsklotz. Und während Umwege zwar auch Zeit kosten, aber wenigstens zu neuen Einsichten führen, macht das bloße Ausgebremstwerden einfach nur langsam und führt im Extremfall zum Stillstand. Das wiederum ist wirklich blöde. Mit einem wohlwollenden Blick auf unsere Grenzen – und vor allem auch die der anderen –, lässt sich allerdings ziemlich sicher herausfinden, worauf es zu achten gilt. Bis wohin reicht meine Kraft? Wie weit tragen meine gesammelten Erfahrungen? Wo beginnt unbekanntes Terrain und welche Abenteuer belohnen mich mit wertvollen Errungenschaften, wenn ich sie wage?

Zutrauen in die Abenteuerlust

Mit ein bisschen Zuspruch, der Konzentration auf unsere Stärken, dem Vertrauen in verlässliche Energiequellen und unserem inneren Kompass lässt sich das Zutrauen locken und der Mut zurückgewinnen, den es braucht, um neue Wege zu gehen. Jeder Prozess braucht schließlich das mutige Weitergehen, das Sich-bewegen über die Grenzen der kuschligen Vertrautheit hinaus. Denn nur mit der Erweiterung unserer Komfortzone, lässt sich unsere Neigung des Zurückfallens in gewohnte Verhaltensweisen verhindern. Und ganz bestimmt lässt sich der ein oder die andere um uns herum anstecken und stürzt sich mit ins Abenteuer. Gemeinsam spazieren wir dann aus unserer wohlbekannten Kruschecke, fröhlich summend und abenteuerlustig. Dann mal in die Hände gespuckt und mit frischem Mut ans Werk! Wagen und winnen, wie wir im Norden zu sagen pflegen.

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