Zwischenraum – Vom Ausprobieren und Prüfen

Schritt für Schritt kehren wir zurück in unsere Büros– mit der Rückkehr zur Normalität allerdings werden wir wohl noch etwas warten müssen. Das Jetzt ein Zwischenraum also, in dem wir uns einrichten zwischen dem bisher Gewohnten und dem Danach, von dem wir noch nicht wissen, wie es sein wird. Zeit, innezuhalten und nachzufragen: Wie hat sich das Miteinander im Team verändert? Was erschwert das Führen und was beflügelt den Zusammenhalt der Mitarbeitenden?

Gar nicht so einfach, das Arbeiten in Zeiten der Ausnahme. Da sitzen wir an unserem Schreibtisch und starren angestrengt auf den Bildschirm. Viele kleine Kästchen versammeln sich, in jedem ist ein*e Mitarbeiter*in zu sehen – mehr oder weniger jedenfalls.

Wer spricht, lässt sich am oberen Rand ablesen, durcheinander reden funktioniert hier nicht – ein Vorteil. Wobei, die Lebendigkeit geht ein wenig verloren, vielleicht. Gut, dass nach und nach auch wieder Präsenztermine möglich sind. Allerdings sind nicht alle Kolleg*innen davon begeistert. Während die einen froh sind, sich wieder begegnen zu dürfen, sind andere zurückhaltend bis ablehnend, was das Zusammentreffen in geschlossenen Räumen betrifft. Nachvollziehbar sind beide Positionen. Wie aber damit umgehen, wenn konträre Haltungen innerhalb eines Teams aufeinandertreffen?

Andersartigkeit tolerieren und einbinden

Es braucht neue Regeln des Miteinanders in Zeiten wie diesen, für die wir bisher noch keine Handlungsmuster entwickeln konnten, weil wir nicht mussten. Nun aber müssen wir Wege finden, das Gemeinsame unter Berücksichtigung des Eigenen zu leben. Es bedarf einer neuen Definition von Nähe und Distanz. Die gute Nachricht: Im Grunde ist es gar nicht so schwer. Denn wenn wir uns an die gewohnten Regeln des Miteinanders halten, lässt sich auch diese Situation beruflich gut gestalten. Da wäre beispielsweise der wertschätzende Umgang mit unterschiedlichem Verhalten. Unser Verständnis für individuelle Haltungen ist gefragt und bietet uns die Möglichkeit, über unsere eigene Perspektive hinaus zu denken und Neues auszuprobieren. Es geht darum, Ängste ernst zu nehmen – auch wenn der Prozess für das Team dadurch hin und wieder erschwert wird. Denn egal, was kommt: Es gilt stets tolerant, respektvoll und zugewandt zu bleiben. Klingt selbstverständlich und ist doch viel schwerer, als wir gemeinhin denken, wenn sich die Andersartigkeit nicht zu sehr von unseren eigenen Vorstellungen entfernt. Die Unternehmenskultur gibt den Rahmen vor, die unausgesprochenen Regeln halten den Laden zusammen, die internen Codes sorgen für blindes Verstehen. Normalerweise. In extremen Situationen jedoch schaut jeder auf sich selbst und handelt, wie es sich – ganz persönlich – am sichersten anfühlt. Für Führungskräfte gilt an dieser Stelle: mit bestem Beispiel voran. Soll heißen: ausprobieren und prüfen. Denn jeder Einwand hat seinen Wert. Jede Lösungsstrategie bietet Möglichkeiten des Einbindens.

Gewohnheiten gehen und bleiben

Führungskompetenzen sind mit der Anpassung an die aktuellen Gegebenheiten gefragter denn je. Denn alles, was bisher als allgemein gültige Rahmenbedingungen innerhalb eines Teams akzeptiert und gelebt wurde, wird auf die Probe gestellt. Neue Rituale und Formen des Miteinanders wurden entwickelt. Das ist gut. Nur, was dann? Was tun mit dem Neuen zurück in der alten Welt des »Das haben wir früher schon immer so gemacht?« Alles wieder zurück auf Los? Oder eher »Nichts ist mehr wie früher«? Wird Remote jetzt das digitale Kaffeetrinken? Ist der virtuelle Raum die lang gesuchte Lösung oder belastendes Problem?

Sicher ist, diese Zeit des Dazwischen ist eine wunderbare Gelegenheit, unser Miteinander kritisch zu betrachten und zu hinterfragen. Dieser Raum lässt sich sinnvoll nutzen. Welche in der Zwischenzeit etablierten Gewohnheiten können auch »danach« erhalten bleiben? Und welche »ruhenden« Umgangsformen können wir getrost auch weiterhin bleibenlassen? Vor dem Bildschirm sitzend, unter Berücksichtigung der Abstandsregeln, mit Respekt und Verständnis für den vielfältigen Umgang mit der für uns alle zuvor nie dagewesenen Situation, gilt es, die Spielregeln für unsere digitale wie auch analoge Kommunikation neu zu betrachten. Und das Beste von allem mitzunehmen. Digital oder ganz real.

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