Krisen sind brillante Lehrmeister. Zugegeben, eine Weisheit, die akut wenig tröstlich scheint und ihre Wirkung obendrein erst im Nachhinein entfaltet. Warum sie trotzdem trägt? Nun, das Schöne an dieser Behauptung ist: Sie lässt sich überprüfen – denn wir sind schon durch. Zumindest durch die Generalprobe. Der entscheidende Höhepunkt der Krise liegt hinter uns, der Wendepunkt hat uns mit stärkenden Erfahrungen versorgt und nun ernten wir die gewonnene Erkenntnis. Gefahr erkannt – Gefahr gebannt? So einfach ist es natürlich nicht. Aber die Chance auf eine Lösung ist zum Greifen nah – und das Entscheidende ist: Die Veränderung liegt in deiner Hand.
Liest man unter »Krise« im Duden, klingt es nach etwas, was man nicht so unbedingt erleben möchte – ehrlicherweise wohl auf gar keinen Fall durchleben müssen will. »Krise«, steht da, ist eine »Zeit der Gefährdung, des Gefährdetseins«. Na, besten Dank, der Fluss des Lebens darf doch bitte lang und ruhig dahinfließen, die Reise ist bestimmt auch ohne bedrohliche Stromschnellen herrlich und erleuchtend. Dank der moderne Geist in seiner Komfortecke und ignoriert den sich zusammenbrauenden Sturm. Die Griechen, wen wundert’s, hatten da eine weniger fatalistische Sichtweise. » krísis«, so der Ursprung des Begriffs, meinte nichts anderes, als eine »entscheidende Wendung« oder, schlichter, eine »Entscheidung«. Das liest sich doch schon ganz anders.
Nochmal durch die Prüfschleife
Krise also als Wendepunkt, weg vom »so-wird’s-gemacht«, hin zum »so-geht’s-auch«, vielleicht sogar »so-geht’s-besser«, wer weiß das vorher schon. Krisen zeichnen sich rückblickend nicht nur dadurch aus, dass wir sie überstanden haben, sie machen uns meist auch um mindestens eine Erkenntnis reicher: Es war schlimm, aber wir haben es geschafft. Im vom erleichterten Seufzer eingeleiteten Resümee lässt sich genussvoll feststellen: Die Bewältigung schwieriger Herausforderungen gelingt durch die aktive Nutzung unserer Ressourcen oder deren Reaktivierung – man kann ja dann doch immer irgendwie mehr, als man denkt. Passen die uns bekannten, meist liebgewonnenen und routiniert eingesetzten Lösungsstrategien nicht zur vorliegenden Herausforderung, nun – dann dauert es eben länger bis zum Wendepunkt. Erkenntnis hat ihren Preis. Start it again!
Genuss des Erkenntnisgewinns
Alles schon probiert? Immer wieder an derselben Stelle gescheitert? Immer wieder über denselben saublöden Stein gestolpert? Immer wieder zum selben unbefriedigenden Ergebnis gelangt? Erfahrungen, Ziele, Normen, Werte – alles nicht mehr wahr? Moment, echt jetzt? Natürlich nicht, denn wie heißt es so schön: Irgendwas geht immer. In den letzten Winkeln unseres Selbst finden sich fast vergessene Kräfte, die wir zur Lösung eines Problems gezielt nutzen können. Notwendig für ihre Entdeckung und einen sinnvollen Einsatz ist vielleicht ein Perspektivwechsel, vielleicht hilft auch ein liebevoll unnachgiebiges Hinterfragen unserer gutsitzenden Gewohnheiten oder eine beherzte Vollbremsung zur Unterbrechung unserer wie geschmiert ablaufenden Muster. Routinen geben manchmal Halt und manchmal halten sie uns klein. Letztere: Ab über Bord mit ihnen! Bequem ist das leider nicht. Aber Veränderung passiert durch Erfahrung. Und die lässt sich nur außerhalb des bekannten Terrains sammeln. Zurück auf dem Sofa unserer neu definierten Komfortzone können wir uns dann aber ganz dem Genuss des Erreichten hingeben. Versprochen.