Manche Menschen laufen wie aufgezogen durchs Leben. Sie schaffen alles, gehen über jede Grenze, vor allem ihre eigene, haben Erfolg, engagieren sich als gäbs kein morgen und schon gar keinen Feierabend – und alles ist bestens. So geht die Geschichte. Bis sie umfallen. Dann geht nichts mehr. Bei den einen kommt es schleichend, bei den anderen passiert es mit einem Paukenschlag. Bitte, das ist nur ein Beispiel. Soweit nämlich muss es nicht kommen. Aber, und da wollen wir mit dieser kleinen Vorrede hin: Es ist nie zu früh, nach den eigenen Stärken Ausschau zu halten, sich hilfreicher Ressourcen bewusst zu werden, um dann beides im richtigen Moment gezielt und nachhaltig einsetzen zu können. Damit die Geschichte eine vielleicht andere wird.
Auf zur Expedition im Heldenoutfit
Stärken entdecken, Ressourcen einsetzen? Klingt nach waghalsiger Expedition. Also Fernglas raus, Taschenlampe an und auf zum abenteuerlichen Durchkämmen längst vergessener Kapitel der eigenen Biographie? Waten durch sumpfige Untiefen am Rande seelischer Steilklippen? Auch wenn die eine oder der andere die Ärmel schon hochgerollt und die Raketenstiefel bereitgestellt hat: Nein. Es geht nicht um Situationen, in denen Herausforderungen das Tragen eines Heldenoutfits notwendig machen. Es geht schlicht und einfach um den schnöden Alltag. Um das morgendlich schwungvolle Aufstehen, das aktive Gestalten und effektive Strukturieren des Tages, um das Gerechtwerden der Anforderungen in Beruf und Familie, den leichtfüßigen Rollenwechsel von hier nach da und, nicht zu vergessen, das sensible Wahrnehmen der eigenen Bedürfnisse, Grenzen und Möglichkeiten zwischen den Zeilen der umfangreichen To-do-Listen. Mhm, jetzt klingt es irgendwie doch nach Heldenprofil.
Mit der Lupe durchs biographische Unterholz
Okay, schauen wir unsere vorhandenen Superkräfte mal genauer an. Über welche Ressourcen verfügen wir? Welche Stärken machen uns stark? Na, wunderbar. Da verenden die Antworten ja gleich hinter dem Fragezeichen. Wenn wir das nämlich immer so genau wüssten, ließe sich der Sport Modus ohne Unterlass durchhalten und die verzweifelte Suche nach dem Superwoman-Kostüm würde sich erübrigen! Nun, glücklicherweise liegt eine Menge zwischen Selbstüberschätzung und Schwächeanfall. Denn wenn wir unsere Ressourcen und Stärken auch nicht immer klar formulieren können, sie sind in jedem Fall da. Manchmal gut versteckt im biographischen Unterholz. Dann übersehen wir sie einfach, weil sie uns wie selbstverständlich durch die kleinen und größeren Stürme unseres Lebens tragen. Ein bisschen wie Radfahren: gelernt ist gelernt.
Stärken entstehen beim Erzählen
Aber was, wenn die routiniert angewandten Lösungsstrategien nicht zum gewünschten Ziel führen? Wenn die Kraft nicht mehr ausreicht, um die immer gleichen Kämpfe zu kämpfen? Wenn alles durcheinandergerät oder der Berg zum Gebirge wird? Dann ist es hilfreich zu wissen, welche Superkräfte wir aus dem Ärmel ziehen können. Eine Möglichkeit, um in Situationen des »Das-mussanders « einen Überblick über unsere Stärken und Ressourcen zu gewinnen, ist unsere Fähigkeit des Erzählens. Mit ihrer Hilfe können wir nicht nur unsere eigene Geschichte beeinflussen, wir können vor allem verschiedene Perspektiven auf das Geschehen ausprobieren – und so unser Erleben verändern. Wann stand ich schon mal vor einer solchen Herausforderung? Was hat mir geholfen? Was hat mir Kraft gegeben? Mit der Lupe durchs biographische Unterholz. Dort findet sich vieles, was durch ein neuerliches Nacherzählen wertvolle Ressourcen offenbart und unerkannte Stärken zutage fördert. Scheitern, Fehler, Sackgassen, all das lässt sich auch anders erzählen – und damit anders betrachten und für bisher unbekannte Situationen oder jene, in denen die immerwährenden Strategien versagen, aktiv nutzen. Bereichernde Begegnung statt kräftezehrender Konflikt, lehrreiche Kommunikation statt unerreichtes Gegenüber, kreative Lösung statt ignorierte Vereinbarung – wir haben die Erzählung in der Hand. Was für eine Stärke!