Mai – »Zwischen Aufgabe und Zuwendung« – Vom achtsamen Umgang mit uns selbst

Schön, wenn man endlich so richtig in Schwung gekommen ist. Das Ziel ist klar definiert, die Route steht fest, das nötige Gepäck ist im Rucksack verstaut. Es läuft. Und es läuft sich gut. Das ist wunderbar und genau der richtige Moment, sich den angenehmen Dingen des Weges zuzuwenden: dem zarten Knospengrün, den zwitschernden Blaumeisen – und der Fürsorge. Denn sollte es auf der Strecke mal ein wenig holprig und staubig werden, sich die Leichtigkeit noch am letzten Rastplatz vergnügen und die Lust an der Veränderung pfeifend Löcher in die Luft gucken, dann sind wir unbeirrbar, wenn unsere Kraftreservoirs gut gefüllt sind.

Ach, lass gut sein und setz dich

Während wir vertrauensvoll und unserem inneren Kompass folgend durch Wald und Flur stiefeln, bleibt das stille Verdunsten unserer Kräfte manchmal fast unbemerkt. Je raumgreifender unsere Schritte, je schwungvoller und erfüllender die Reise, desto leichter gerät der achtsame Umgang mit uns selbst aus dem Blick. Wo noch haben wir die uns beflügelnde Zuversicht zuletzt in voller Größe gesehen? Wie steht es um den Energiehaushalt? Wie laufen die Muster? Alles rund? Oder streuen wir uns, hinter unserem eigenen Rücken quasi, grad Sand ins Getriebe? Das passiert ja mal, ganz unbewusst. Statt achtsam mit uns umzugehen, schieben wir altbewährte, verlässlich funktionierende Ablenkungsmanöver nach vorn und stellen seufzend fest, dass alles gaaaanz schööön müüüüühsam ist. Genau – Ohren auf! Dieser Lockruf der Komfortzone ist wertvoll. Denn glücklicherweise prüft unser inneres Kontrollsystem in regelmäßigen Abständen die Füllstände unserer Antriebsreserven. Also: Immer achtsam bleiben.

Durststrecken erfordern Wasser auf unseren Mühlen

Sind Leichtigkeit und Lust hinter den letzten Wegbiegungen nur noch schemenhaft zu erahnen, ist aber nicht etwa Zeit für Kapitulation, sondern für das Umsorgen unseres Selbst. Nicht auf den Hosenboden plumpsen, sondern Innehalten. Was brauche ich gerade jetzt in dieser Situation? Was tut mir gut? Und was kostet mich an dieser Stelle unnütz wertvolle Kraft? Jeder Weg birgt die sprichwörtliche Durststrecke. Jene Passage des Abenteuers, auf der wir Zuspruch brauchen, unterstützende Worte oder Nähe. Woher nehmen? Gut eingebunden in unsere sozialen Netzwerke finden wir um uns herum Menschen mit einem offenen Ohr, hilfreichen Ideen und mitreißenden Energiequellen. Was aber, wenn das soziale Miteinander gerade nicht geht? Wenn uns aktuelle Gegebenheiten ins gesellschaftliche und kulturelle Abseits stellen?

In der Zuwendung liegt die Kraft

Dann ist die goldrichtige Zeit, unsere Stärken in den Blick zu nehmen, sie ganz allein für uns einzusetzen, uns liebevoll und geduldig um uns selbst zu kümmern. Eine Tasse Kaffee in der Sonne, Joggen am Fluss, ein ausgiebiges Telefonat mit jener, die wir schon so lange anrufen wollten, gleich vier Folgen unserer Lieblingsserie hintereinander weg oder ein Spaziergang durch Vogelgezwitscher und Frühlingsgrün ganz mit uns alleine. Was immer uns Ruhe, Kraft und Zuversicht gibt – jetzt ist der richtige Zeitpunkt dafür. Selbst, wenn unser Terminplaner kreischend schreit und wütend mit dem nächsten wichtigen Termin wedelt: Egal. Nur ein fürsorglicher Umgang mit uns selbst füllt die Energiereserven zuverlässig wieder auf. Und dann kommt auch die Leichtigkeit wieder fröhlich dahergehweht und die Lust rappelt sich erwartungsfroh aus dem Unterholz. Gut umsorgt, frisch gestärkt, die Nase im Sonnenschein – weiter geht’s!

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