Jede Zeit hat ihre Werte. Die goldenen 1920er-Jahre hatten die ihren, genauso wie die Nachkriegszeit der 1950er, die Wirtschaftswunderjahre und die der Generation um die Jahrtausendwende. Jede gesellschaftliche Entwicklung setzt ihre eigenen Schwerpunkte, formuliert die sie kennzeichnenden Schlüsselbegriffe. Wo einst Sicherheit das A und O gewesen sein mag, wird Authentizität zum entscheidenden Auswahlkriterium und in manchen Branchen ist Präsenz womöglich entscheidender als Weitsicht. Gesellschaftliche Werte gehen ebenso wie Corporate Values in Unternehmen mit der Zeit, folgen oder setzen Trends, sind in einem Moment essenziell und dann wieder nur ein Mosaiksteinchen im großen Ganzen.
Sinnstiftende Richtschnur
Gesellschaftlich wie privat, Werte sind unsere Richtschnur in der Gestaltung unseres Miteinanders. Sie sind im Allgemeinen sinnstiftend, manches Mal so pauschal formuliert, dass sie kaum zu greifen sind, und meist Merkmale, die wir einem »guten Menschen« zuschreiben würden. Werte bestimmen unsere Denkmuster. Sie formen unsere Glaubenssätze und beeinflussen unser Handeln. Manche Werte sind variabel und abhängig vom System, in dem wir uns bewegen. Andere bilden ein festes Fundament unserer Weltanschauung. Verlässlichkeit, Ehrlichkeit, Loyalität – geprägt durch unser Zuhause, unsere ersten Vorbilder und Erfahrungen pflegen wir Werte und übernehmen einen roten Faden, der uns leitet. Oder alles, was wir in unserer Herkunftsfamilie erlebt haben, definiert das »so in jedem Fall nicht« und lässt uns unser ganz eigenes Wertesystem entwickeln. So oder so, bestimmte Werte bilden ein Fundament, das uns trägt.
Bewahren und bewegen
Und dann gibt es jenen Bereich, der sich mit den Lebensjahren, den Erfahrungen, Enttäuschungen und Erfolgen verändert. Vielleicht verschiebt sich durch die Gründung einer eigenen Familie der Fokus, vielleicht eröffnet uns der intensive Austausch mit einem Gegenüber neue Perspektiven, vielleicht kommt mit den Jahren die Weisheit und der Langmut. Womöglich verblasst während das Leben passiert die Wichtigkeit eines Wertes, weil ein anderer strahlender und bedeutsamer wird. Möglich. Oder besser: wahrscheinlich. Werte sind unsere Grundfeste, ja – und sie unterliegen der Veränderung. Weil wir alle eigene Talente und Sehnsüchte haben, entwickeln wir mit den Jahren unsere eigenen Wertevorstellungen. Weil sich mit jeder neuen Erkenntnis, jeder Begegnung unser Blick auf die Welt ein klein wenig verändert, verändern wir uns manchmal fast unbemerkt mit ihm. Unsere Werte finden derweil Bestätigung oder Abgleich, changieren oder passen sich an und verändern sich mit. Nun, in welcher Form ein Wertewandel stattfinden mag oder auch nicht – hin und wieder lohnt sich ein Hineinhorchen in unseren ganz eigenen Wertekanon, um zu verstehen, auf welchen Wegen wir unterwegs sind. Denn am Ende sind unsere persönlichen Werte wie eine Taschenlampe: Sie bringen Licht ins Dunkel und geben uns Orientierung.