Über manche Dinge muss ich ja keine fitzelkleine Minute nachdenken. Da laufen die inneren Zahnräder noch bevor ich merke, dass überhaupt etwas in Gang zu setzen ist. Das hat definitiv Vorteile. Es spart wertvolle Reaktionszeit, immer wiederkehrende Situationen werden durch bewährte Abläufe blind gemeistert und das eingespielte Tun eröffnet Raum für andere Denkprozesse. Nicht zuletzt bedeutet vertraute Wiederholung natürlich auch Sicherheit. Und die macht ein gutes Gefühl. Summa summarum: Muster in unserem Verhalten sind eine prima Sache. Kein Aber? Selbstverständlich. Alles hat seine Kehrseite. Auch das Cruisen auf dem Highway. Weil nämlich vorher schon klar ist, was hinterher rauskommt. Ist das Ergebnis erwünscht und zielführend, ist natürlich alles bestens. Wenn es aber irgendwie nur so »naja, ganz okay« oder sogar eher echt blöde ist, dann hilft es, sich mit unserem Mustertier mal über die immer gleichen Reaktionsprogramme konstruktiv und kritisch auszutauschen.
Is wie’s is, ne?
Also: Läuft, aber eben nicht so richtig rund. Und nu? Nur weil etwas, sagen wir mal »semi prima« ist, muss es ja nicht gleich aussortiert werden, oder? Und manche Dinge sind halt wie sie sind. Damit kann man ja umgehen. Was dabei hilft, ist stoische Gelassenheit und Nachsicht. Insbesondere seitens unserer Mitmenschen, die mit den hier und da vielleicht etwas kantigen Reaktionen umgehen müssen. »So bin ich eben!«, rufen wir unwillig oder auch mal mit zerknirschtem Gesicht. Die Zeit der Charakterbildung liegt hinter uns! Das »Ich« muss man jetzt nehmen, wie es kommt. Sorry! Tatsächlich? Muss das so sein? Oder geht es vielleicht auch anders? Lässt sich nicht vielleicht doch Veränderung erreichen? Was könnte helfen, die gewohnten Abläufe wenigstens mal aus dem Tritt zu bringen, das eigene Selbst zu überraschen und das Mustertier in eine andere Richtung zu locken? Denn das lohnt sich. Schließlich erfordert das Aushalten unangenehmer Ergebnisse auch unsere eigene Kraft. Sie belasten uns, oftmals sogar mehr, als dass ausgediente Verhaltensmuster tatsächlich Entlastung brächten. Das ist wie die Fahrt auf der Autobahn: Es geht vermeintlich schneller, aber man muss sich irre konzentrieren und inspirierendes beglückendes nach rechts oder links in die Landschaft Gucken geht absolut gar nicht.
Rasten statt rasen
Da wir selbst am Steuer sitzen, können wir auch selbst gestalten. Wir haben es in der Hand, unsere Verhaltensmuster zu unterbrechen, sie anzupassen, wenn sie nicht mehr zum Ziel passen. Wie das geht? Nun, wenn es holpert, der Ablauf an den Nerven zieht oder wir uns von uns selbst entfernen, dann einfach mal kurz auf die Raststätte fahren, aussteigen, tief durchatmen, Arme und Gedanken recken und strecken. In Bewegung kommen und mehr werden, wer wir jetzt sind. Der versteckte Haken am erlernten Tun ist ja oft: Was einst einen Sinn ergab, uns schützte, stärkte oder schnell und zuverlässig zum gewünschten Ziel beförderte, dass ist – Jahrzehnte und lehrreiche Bekanntschaften später – gar nicht mehr zwingend sinnvoll. Und trotzdem hegen und pflegen wir das vertraute Reaktionsmuster weiter und weiter. Selbst wenn wir um seine Nutzlosigkeit wissen, ist das kritische Überprüfen eine Herausforderung. Aber es lohnt sich. Es lohnt sich, innezuhalten. Innezuhalten und die einzelnen Rädchen und ihre Funktionen genauer zu betrachten. Das Ineinandergreifen der Zahnräder unter die Lupe zu nehmen. Die Details genau zu betrachten und jedes „Wenn-Dann“ zu prüfen. Welche Veränderungen haben in mir stattgefunden? Hat sich Grundlegendes verändert? Welche Mustervorlagen gibt es? Welche davon können weg? Welche lassen sich anpassen? Was ist noch immer wertvoll und tut mir gut? Welche Werte sind mir wichtig? Und mit welchem Verhalten erreiche ich hier und heute beglückende Ergebnisse? Das bewusste Unterbrechen der gewohnten Abläufe ist vielleicht nicht immer einfach, aber die Inventur unserer Verhaltensmuster sorgt für Freiraum. Raum für neue Erfahrungen, Zeit für bewusstes Wahrnehmen von Bedürfnissen. Inspirierendes Spazieren auf dem Wanderweg. Es lassen sich ja die dollsten Erkenntnisse gewinnen, wenn man Neues wagt. Und manchmal sind die Ergebnisse erfrischend anders.