September – »Zwischen Zukunftsvision und Übertragung« – Vom Abpausen hilfreicher Musteranpassungen

Mir gelingt so manches. Eigentlich gelingt mir sogar einiges. Es gelingt, weil ich einen Weg gefunden habe. Weil ich weiß, wie es geht. Das hat natürlich viel mit Gewohnheit zu tun. Dinge, die ich schon lange tue, erledige ich mit einer gewissen Selbstverständlichkeit. Mit Gelassenheit sogar. Ich bin geübt, habe Routinen entwickelt und meine Lösungsstrategien sind ausgefeilt. Manchmal allerdings gerate ich in Situationen, da weiß ich plötzlich nicht, was ich tun soll. Weil sich zwei oder drei Parameter verschoben haben vielleicht. Oder weil ich mich schlicht überhaupt nicht auskenne, wo ich da reingeraten bin. Dann knarzt jede meiner bewährten Methoden, die Routine klemmt und ich komme kein Stück vorwärts. Ein guter Zeitpunkt um panisch zu werden? Also, bitte! Mit den Taschen voller Lebenserfahrung lässt sich doch in nahezu jeder Szene der passende Ausweg finden. Ist doch so, oder?

Copy, Paste und ein bisschen 

Ja, na klar! Einfach das Alte nehmen, dreimal links rum drehen, ein bisschen ziehen hier, ein wenig drücken da und dann passt das schon? Als ob Leben so funktioniert. Tzz. Welchen Sinn bitte sehr sollte das denn ergeben? Ist nicht eben genau das kennzeichnend für Veränderungen, dass Gewohntes nicht mehr anschlussfähig ist und Routinen ihre Berechtigung verlieren? Man wechselt seinen Job und alles ist anders: das Team ist neuen, die Chefin unbekannt, die Inhalte sind völlig andere, es gelten neue Vorschriften, von denen man noch nie gehört hat – mal ganz abgesehen von den inoffiziellen Regeln –, und schon steht man da wie Piek Sieben und hat keinen blassen Schimmer, was der passende Text ist. Der bisherige ist es in jedem Fall nicht, weil, ganz genau: alles anders! Nun, manchmal ist das Leben gar nicht so kompliziert wie es vielleicht auf den ersten hektischen Blick erscheinen mag. Im Gegenteil: Möge die Situation vielleicht eine andere, bisher nie dagewesene und völlig unbekannte sein – wir sind es nicht. Wir kennen uns und unsere Verhaltensmuster. Wir wissen um unsere Stärken, haben Erfahrungen gesammelt, können auf bewährte Strategien zurückgreifen und Ressourcen aktivieren. Weil am Ende ist es ja so: Es lässt sich immer irgendetwas übertragen. Will sagen: Wenn ein Konzept beispielsweise im Freundeskreis funktioniert, dann besteht eine reelle Chance, dass Gleiches auch im beruflichen Umfeld fruchtet. Oder wenn ich mit meiner Strategie im Team gute Erfahrungen gemacht habe, führt deren Kern wahrscheinlich auch im Familiensystem zum Erfolg. Altbewährtes ist die Basis für Neues.

Das Geheimnis liegt in der Anwendung

Es gelingt nämlich auch andersherum: Wollen wir etwas ändern, kann es hilfreich sein, auf der Basis bewährter Muster ein neues Ritual zu etablieren. Geht dieses in Fleisch und Blut über, wie man so schön sagt, wird das Geplante also zur Gewohnheit, passt sich das Drumherum mit der Zeit einfach an. Auf diese Weise lässt sich zum Beispiel das Miteinander aktiv gestalten. Oder der Weg zu einem gewünschten Ziel ebnen. Manchmal sogar kann man sich selbst ein bisschen austricksen und der Transfer in so manch unwilligen Winkel wird möglich. Dann erhalten scheinbar unabänderliche Dynamiken plötzlich kein Futter mehr, rutschen aus dem Sichtfeld und lösen sich vielleicht sogar in Luft auf. Dazu es braucht wirklich nicht viel. Auf der Suche nach dem Gelingen hilft meist schon, einfach mal den Spuren bereits transferierter Gewohnheiten zu folgen. Und dann entdecken wir: Hat schon mal geklappt. Mit ein bisschen Mut, Fantasie und Zutrauen.

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